"Religion muss Teil der Lösung sein"
Am Sonntag, 26. Oktober 2025, wurde der "Mount Zion Award" der Jerusalemer Benediktiner an vier Muslime, die Juden retten und an eine Jüdin, die am christlich-jüdischen Dialog in schwierigsten Zeiten festhält, verliehen.
Karma Ben-Johanan ist eine jüdische Denkerin, die Religionswissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrt. Sie wandte sich kurz nach dem 7. Oktober Massaker mit einem Offenen Brief an den inzwischen verstorbenen Papst Franziskus. Darin erinnert sie an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das mit der Erklärung "Nostra aetate" das gemeinsame spirituelle Erbe von Juden und Christen betont habe.
In seiner Laudatio zeigte sich Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow beeindruckt von dem Mut der vier Alkrenawi-Cousins, die bei dem Hamasangriff nicht weggeschaut hätten, sondern unter Einsatz ihres Lebens viele Menschenleben gerettet hätten. Es sei ihm wichtig mit Deutlichkeit daran zu erinnern, dass "auch Beduinen das gleiche Staatsbürgerrecht wie alle" in Israel haben. Allen fünf Preisträgern sei gemein, so der Sprecher für Religionspolitik der Linken im Bundestag, dass sie Religionen aufeinander zubewegten, statt sie zu trennen.
"Religion darf nie Teil des Problems sein. Religion muss Teil der Lösung sein", so Ramelow. Religion dürfe nie Begründung für Kriege oder Gewalt sein, sagte er und verwies ausdrücklich auf den Ukrainekrieg, islamistischen Terror und die Gewalt der neuen syrischen Machthaber gegen Drusen und andere Minderheiten. Wenn es gelänge, dass alle sich daran erinnerten, dass sie "Kinder Abrahams" seien, könne es Religion auch und gerade in Jerusalem gelingen, sich über das Trennende hinweg als Gemeinschaft zu begreifen.
