Quast-Neulinger zu 60 Jahre "Nostra aetate"

Die Innsbrucker Fundamentaltheologin hat bei der Frankfurter Tagung über "Universalismus als Herausforderung für Mission und interreligiösen Dialog" die Formulierung in Nostra aetate: "Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu stiften", hervorgehoben. Diese ist als ein "programmatischer Selbstauftrag" zu verstehen.

Prof. Mag. Dr. Michaela Quast-Neulinger 

 

In Zeiten, wo weltpolitisch das Recht des Stärkeren im Vormarsch sei und "Begriffe, Definitionen, Rechte umgedeutet, ausgehöhlt, entleert, missbraucht und zum Wegwerfartikel auf dem Weg zur absoluten Macht degradiert werden", gelte es eine bessere Vision und gute Erzählung einer menschenrechtsbasierten Ordnung zu entwickeln. Es brauche ein entschiedenes Eintreten für einen moralischen Universalismus, "den wir prophetisch in interreligiöser Verantwortung bezeugen", so Quast-Neulinger.

Dies sei nicht selbstverständlich, so die Theologin im Rückblick auf bahnbrechende Konzilstexte. So habe das Konzil vor 60 Jahren zwar einen Weg zu universaler Geschwisterlichkeit eröffnet. "Besonders in den Auseinandersetzungen um Nostra Aetate und Dignitatis Humanae wird deutlich, dass dieser Weg nicht vorhersehbar war. Die Widerstände und auch Intrigen waren zahlreich", so die Theologin, die auch heute Herausforderungen in der Rezeption ortete und fragte: "Sind wir bereit, aus christlicher Überzeugung in interreligiöser Verantwortung ernsthaft für ein universales Menschheitsethos einzutreten? Auch gegen innere und äußere Widerstände? Der identitären Versuchung der politisch-imperialen Macht zu widerstehen und in prophetischer Radikalität, d. h. verwurzelt in dem einen Gott, der die Wahrheit ist und allen das Leben eröffnet, demütig gemeinsam Zeugnis abzulegen für Friede, Freiheit und Gerechtigkeit aller?"

Das Zweite Vatikanische Konzil habe die katholische Kirche daran erinnert, dass sie nicht um ihrer selbst willen existiert, sondern im Dienst des Lebens aller steht. "Dieser Dienst realisiert sich konzentriert in der dialogischen Existenz mit allen guten Willens", betonte Quast-Neulinger und rief dabei die Kernaussagen der Konzilsdokumente in Erinnerung: "Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu stiften", diese Formulierung in "Nostra aetate" sei ein "programmatischer Selbstauftrag". Zudem sei die Kirche laut "Gaudium et spes" "Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person". Schließlich sei Religionsfreiheit in der unveräußerlichen, universalen Würde der menschlichen Person verankert, wie "Dignitatis humanae" festhielt. Also, so die Theologin: "keine Sonderrechte für Katholiken, sondern universale Menschenrechte unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion, Nation."

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