Das Phänomen der Neuen Rechte
Im Kontakttreffen der Basisgemeinden Österreichs am 19. Mai 2026, befassten wir uns mit dem Phänomen der Neuen Rechte und wie sie sich zunehmend religiös definieren. Ausgangspunkt unseres Gesprächs war ein Beitrag von Stephan Jütte:
»Der Mythos der unzeitgemässen Kirche | Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz
Die neue Rechte definiert sich zunehmend religiös. Da die neue Rechte anti-jüdisch, anti-modern und gegen Minderheiten ist, kann und darf die Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil diesen Weg nicht mitmachen. Von den Neuen Rechte ist nichts für die Kirche zu erhoffen und daher sind Einladungen von Exponenten in kirchliche Räume kein gutes Signal.
Es wurde auf den Ausgang der Untersuchung im Stift Heiligenkreuz bezogen. Das Ergebnis wurde nicht veröffentlicht, lediglich als "Empfehlung". Dennoch Hoffnung, dass die Untersuchungskommission notwendig war und gute Arbeit geleistet hat. Teile von Stift Heiligenkreuz liebäugeln mit den Neuen Rechte.
Jungen Menschen wird das Narrativ mitgegeben, dass es mit der Kirche seit dem Konzil bergab geht, dass das Konzil und die Reformen schuld an die Misere der Kirche sind.
Die "alte Messe" wird oft als Kampfbegriff eingesetzt. Es geht nicht wirklich um den Ritus. Es geht darum, dass sich die "Treuen" und die Liebhaber der Tradition als die "Opfer" stilisieren und letztendlich als die Retter der wahren Kirche.
Es gibt eine beachtliche Zahl von Menschen, die sich nach klaren Verhältnissen und nach klaren Machtworten sehnen. In einer Welt, die aus den Fugen gerät, werden solche Rufe lauter.
Auch Sr. Gabriela Zinkl hat sich am 23. Juli 2026 dazu geäußert. Wenn Tech-Milliardäre wie Peter Thiel das Christentum für ihren selbst inszenierten Kulturkampf nutzen, wird der Glaube zur Waffe. Dabei steht Gott an der Seite der Armen und Ausgegrenzten.
Als Ordensschwester gehören Milliardäre nicht zu ihren typischen Gesprächsthemen. Das liegt vor allem daran, dass das Evangelium jeden Tag die unbequeme Frage stellt: Auf wessen Seite steht Gott? Die biblische Antwort ist eindeutig: Gott steht besonders an der Seite der Armen und Ausgegrenzten. Die Option für die Armen ist keine sozialromantische Fußnote katholischer Soziallehre, sondern Kern der biblischen Offenbarung.
Umso befremdlicher wirkt es, wenn sich ausgerechnet ein Tech-Milliardär wie Peter Thiel zum endzeitlichen Propheten aufschwingt: Den Einsatz von Papst Franziskus für Frieden und interreligiösen Dialog deutet er als Zeichen des Antichristen; »Papst Leo XIV. greift er an, weil dieser ethische »Leitplanken für Künstliche Intelligenz fordert. Als Theologin reibt man sich verwundert die Augen: Seit wann gilt christliche Friedensethik als Merkmal des Antichristen?
Dahinter steht ein reaktionäres Religionsverständnis, das den christlichen Glauben nicht als Ruf zur Umkehr begreift, sondern als Waffe im selbst inszenierten Kulturkampf. In dieser "Silicon-Valley-Theologie" (Florian Baab) erhalten Technologie und wirtschaftliche Macht beinahe heilsgeschichtlichen Rang. Christliches, ja apokalyptisches Vokabular dient dazu, politische und ökonomische Interessen religiös aufzuladen. Ähnliche Muster zeigen sich auch hierzulande. Christliche Werte werden beschworen, solange sie den eigenen Zielen dienen, ansonsten spielen sie plötzlich keine Rolle mehr.
Die Johannesapokalypse ist kein Handbuch für Drohgebärden und Feindbilder, vielmehr will sie bedrängte Gemeinden und Menschen, die in Angst und Hoffnungslosigkeit leben, trösten. Die Hoffnung des letzten Buches der Bibel gründet nicht auf der Selbstermächtigung der Starken, sondern auf einem Gott, der sich gerade den "Losern", den Kleinen und Verwundbaren zuwendet.
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