Fördern Bischöfe Einzelgänger?
Das Nein der päpstlichen Kommission zum Diakonat der Frauen ist kaum ein paar Wochen alt. Da hören wir schon die Nachricht, dass die Diözesen Österreichs die Möglichkeit berufsbegleitender Priesterausbildung für Männer im Beruf eröffnen. Die angesprochene Altersgruppe ist die zwischen 45 und 60 Jahre.
Alles wird maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse dieser Männer ausgerichtet sein. Sie sind wie Schüler, die keine öffentliche Schule besuchen, aber doch mit einer Schule zwecks Prüfungen angebunden sind. Die Ausbildung können sie auch online absolvieren. Diejenigen, die politische Ämter ausüben, müssen ihren Beruf aufgeben. Andere können den Beruf auch nach der Weihe behalten.
Die Basisgemeinden sind nicht gegen die Verbindung von Priester und einem zivilen Beruf. Das ist aus unserer Sicht nicht per se ein Problem. Denken wir an einen Priester, der den Beruf des Briefträgers ausübt, oder an die Arbeiterpriester.
Wir sehen die Frage nach dem Leben in Gemeinschaft schon zentraler. Anscheinend werden diese Kandidaten am jahrelangen Leben in einem Priesterseminar vorbeigeschleust. Macht die Lebenserfahrung dieser Männer ein Leben in Gemeinschaft überflüssig? Das Priesterseminar soll in die Gemeinschaft der Priester sozialisieren, was ohne Mitleben nicht geht. Wenn die Interessenten dieser berufsbegleitenden Priesterausbildung Einzelgänger sind, was sehr wahrscheinlich ist, braucht es Leben in (christlicher) Gemeinschaft als Voraussetzung. Aber hier in diesem neuen Modell ist ein Leben in Gemeinschaft nicht vorgesehen.
Dass Gemeinden jemand vorschlagen, ist in diesem Modell auch nicht vorgesehen. Sind vielleicht die Bischöfe der Meinung, dass Gemeinden nicht mehr so wichtig sind? Dass es genügt, wenn es die "Dienstleistung" Eucharistie gibt? Die Erfahrung, dass Priester ihr Leben mit anderen nicht teilen, mit anderen Priestern nicht und auch mit der Gemeinde vor Ort nicht, ruft nach anderen Lösungen, aber sicher nicht nach diesem neuen Modell.
Die Maxime für die Bischöfe Österreichs (vielleicht auch darüber hinaus) ist die volle Ausschöpfung der engen Möglichkeiten, die das katholische System erlaubt, unverheiratete Männer irgendwie zu Priestern zu verwandeln. Und das so schnell wie möglich. In anderen Worten gesagt: Die Bischöfe können/dürfen nicht alle viri probati weihen. Die katholische Kirche erlaubt nur das Weihen von viri probati minus Frau und auf diese Gruppe spitzt dieses "neue" Modell.
Warum werden Gemeinden durch Ausbildungen nicht in ihrer geistlichen Lebensfähigkeit gefördert? Stattdessen wird hier eine Kirche für Einzelgänger gefördert.
