eine neue zeit beginnt
Gedanken zu Lk 2,22-40
Die ersten zwei Kapitel im Lukasevangelium zeigen wie das Heil Gottes in schweren Zeiten sichtbar wird. Die schweren Zeiten sind gekennzeichnet durch die Herrscher Herodes im Lk 1,5 und Kaiser Augustus im Lk 2,1. Der Anfang des Lukasevangeliums will der alten, ungerechten Zeit das Ende ansagen durch Frauen, die sich verbinden, Männer, die schweigsam werden und durch zwei alte Menschen, die diesen Aufbruch schon in einem Kind sehen.

Das Lukasevangelium entstand etliche Jahre nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70. Gerade hier spinnt dieses Evangelium einen Erzählfaden, der bei einem stillen, alten Ehepaar und bei einem jungen Mädchen beginnt. In dieser Zeit, in der so Vieles zerbrochen war, setzt das Evangelium nicht auf einen starken Mann - sondern auf zartes heranwachsendes Leben, auf Frauen und ein Kind in der Krippe. Hier hören wir Frauen und alte Männer sprechen, singen, prophezeien und frohlocken. Wir erfahren die innersten Hoffnungen von Zacharias, Maria und Elisabeth, von Simeon und Hanna.
Was Simeon besingt, ist die Sehnsucht des ganzen jüdischen Volkes auf das, was dringend nötig ist, Rettung, die von Gott erwartet wird. Die Bibel legt Wert darauf, dass die großen Verheißungen von Zukunft, Auferstehung und neuem Leben nach der Katastrophe im Leben von Einzelnen geerdet sind. Simeon sagt uns heute, es beginnt eine gute Zeit für alle. Gott zeigt sich in den Begegnungen mit Menschen, die aufatmen und aufstehen, weil sie Zuwendung erfahren. Solche Erzählung können auch wir fortsetzen.
Simeon kann nun zurücktreten. Er lässt damit Raum für das Kommende, für die Frau und für das Kind. Nun beginnt eine neue Zeitrechung. Elisabeth, Maria, Zacharias, Simeon und Hanna sind die Töchter und Söhne des erniedrigten Volkes. Sie erfahren alle, dass Gott hinschaut auf die Erniedrigten, ihnen nahekommt, ihnen Kraft wird, sie vom sozialen Unrecht befreit, aufrichtet, sodass sie getrost in die Zukunft gehen können.