das Gleichnis neu betrachten

Gedanken zu Matthäus 13,1-23

Dieses Gleichnis hat es nicht leicht bei uns anzukommen. Es ist ziemlich lang, recht bekannt und obendrein gibt es eine Interpretation durch Jesus selbst, die wenig Raum für  Neuinterpretationen zulässt.

Die Fischerkanzel (um 1750) in Traunkirchen, OÖ.
Die Fischerkanzel in Traunkirchen

Diese Auslegung mag  für die Menschen in der Matthäusgemeinde wertvoll gewesen sein, um ihre Situation angesichts von Verfolgung und vielen Schwierigkeiten zu verstehen. Für uns heute ist es zu wenig hilfreich darüber nachzudenken, wer das Evangelium hört und wer nicht, oder gar selbstherrlich zu meinen, dass es immer die anderen sind, die Schwierigkeiten bei der Annahme des Wortes haben, sich selbst jedoch ein gutes Aufnahmezeugnis bescheinigen.

Vielleicht können wir dieses Gleichnis aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Wir könnten darüber nachdenken, wie unser Leben als Christen dem Schicksal der Samen sehr nahe kommt. Dieses Gleichnis passt dann genau in unsere Zeit hinein. Wenn wir wie die Samen sind, könnten wir auch merken, dass wir manchmal verletzlich sind oder Gefahr laufen, verbrannt oder erstickt zu werden. Diese Geschichte fordert uns auch heraus, Gottes Liebe mutig zu teilen, wie Jesus es tut. Nicht immer wird diese Liebe angenommen. Nicht immer verspüren wir, dass wir gute Erfahrungen damit machen.

Gottes Liebe zu teilen, ist nicht einfach, sagt uns Jesus, und manchmal wird es einfach nicht funktionieren, auch innerhalb der eigenen Gemeinde nicht. Kein Wunder, dass wir vielleicht oft zögern, unsere Gaben zu teilen oder Risiken einzugehen, etwa wie wir Gemeindearbeit gestalten, wie wir mit jüngeren Menschen umgehen, oder wie wir unsere Ressourcen mit anderen teilen.

Vielleicht haben wir, wie das verstreute Saatgut an schwierigen Orten, ein bisschen Angst zu scheitern, wenn wir etwas Neues ausprobieren. Wenn dem so ist, liegen wir nicht ganz falsch, scheint Jesus zu sagen. Wenn wir ein paar neue Ideen für das Gemeindeleben haben, können wir sicher sein, dass wir Fehler machen werden, vielleicht sogar einige große. Wir könnten Zeit, Geld und Energie verschwenden. Wir könnten manchmal in die Hitze der Kritik geraten. Manchmal exponieren wir uns viel zu sehr und werden dabei allein gelassen. Wie die aufgehenden Samen dann, werden wir von der Sonne verbrannt, oder werden sogar durch Widrigkeiten ersticken. Wir verlieren dann die Freude und sind versucht aufzugeben.

Aber Jesus richtet auch unseren Blick auf gute Erfahrungen, auf Begegnungen etwa, die entstehen, wachsen und fruchtbar werden, auf Strecken im Gemeindeleben, die sehr ergiebig sind, auf Menschen, die in schwierigen Situationen mit Ausdauer Verantwortung tragen. Gerade solche Erfahrungen sind es, die uns dem Wunder näher bringen. Gerade durch solche Geschenke blicken wir manchmal durch.

Der harte Boden, die vielen Steinblöcke, die Widrigkeiten und Dornen in unserem Leben haben auch einen wunderbaren Zweck. Sie zeigen uns, dass Gott ganz risikoreich mit uns umgeht. Denn Gott schenkt seine Liebe in verschwenderischer Manier, sogar dort, wo Härte und Abweisung an der Tagesordnung sind. Sein Ja zu uns und zu unserer Welt bleibt.

 
Joe Debono