Basisgemeinden Österreich

das geschenk ist schon da

Gedanken zu Johannes 21,1-14   

Relativ spät erfolgt die Begegnung mit dem Auferstandenen am See. Am Auferstehungsmorgen lässt er sich von Maria aus Magdala im Garten erkennen und dann am Abend desselben Tages von den Jüngern im oberen Raum, eine Woche später wieder dort, diesmal mit einem zweifelnden Thomas. Aber jetzt sind wir ganz im Norden in Galiläa. Die Jünger sind wieder zum Fischen zurückgekehrt, als hätte es Jesus in ihrem Leben nie gegeben.

Was machen sie dann am See, wenn sie schon einige Male dem Auferstandenen begegnet sind? Könnte es sein, dass sie Zeit brauchen, um das Neue in ihrem Leben zu erkennen? Am Karfreitag sehen wir, wie Jesus in unsere menschliche Realität von Gefährdung und Verwundbarkeit gegenüber Chaos, Gewalt und Tod eintritt, wie er in seinem Leiden, am Kreuz und im Grab, eindeutig ausgeliefert ist.

Aber am Ostermorgen sieht es so aus, als sei er wieder aufgestanden, wieder am Steuer – als ob sein Leiden und Tod nur eine vorübergehende Störung des normalen Betriebs gewesen wären.  Außer – und das ist entscheidend – Jesus erweckt sich nicht selbst von den Toten. Er wird erweckt. Das deutet darauf hin, dass die Auferstehung genauso wie das Leiden und der Tod erlebt, empfangen wird. Und das hat große Auswirkungen für uns.

Kehren wir zurück zu den Jüngern. Mit dem Tod Jesu erleiden auch sie einen Abstieg ins Chaos, den Verlust von Ort, Identität und Bedeutung. Mit Jesus sind sie über ihre religiöse und soziale Zugehörigkeit hinausgezogen, sie haben ihre vererbten Identitäten verlassen. Auch ihre Sehnsüchte nach Macht und Einfluss in dem versprochenen neuen Zeitalter sind ins Leere gelaufen. Als Jesus stirbt, stirbt auch so vieles in ihnen. Und genau dieses Sterben ist notwendig, dass sie die neue Identität, die neue Wirklichkeit ihres Lebens, vollständig als Geschenk, als neue Schöpfung annehmen lernen. All das ist nicht durch ihre Anstrengung oder Reflexion oder durch ihr bewusstes Verlangen erzeugt. Doch die Begegnungen mit dem Auferstandenen legen nahe, dass dieses Geschenk schwer zu empfangen, oder manchmal sogar schwer als solches zu erkennen ist.

Was macht es so schwierig? Die Jünger sind wieder beim Fischen, aber ihre ganze Mühe ist vergebens. Die Rückkehr zu Vertrautem kann ihre Risse nicht heilen. Das neue Leben, das angeboten wird, übersteigt ihre Fähigkeit und ihre Vorstellung, es zu empfangen. Das Netz, das sich mit Fisch spannt, ist ein Bild für diese tief erfassende Berührung.

Was könnte es also bedeuten, für dieses Geschenk empfänglich zu sein, dieses Verlangen des auferstandenen Jesus, mit seinen Jüngern – mit uns – ein Leben zu teilen, das vom Bann des Todes befreit ist und nicht länger durch Bedrohung und Angst bestimmt wird? Wie können wir uns hingeben, mit ihm auferweckt zu werden – hier und jetzt – trotz allem, was noch ungelöst ist und in uns und in unserer Welt leidet? Die Auferstehung hängt nicht davon ab, dass alles schon in Ordnung ist; sie bricht mitten in Verwirrung und Verlust hervor und verwandelt uns, wie wir sehen und reagieren – und macht uns mit Jesus zu Trägern von Freiheit und Gnade.

Dieser Prozess kann Zeit in Anspruch nehmen – wir haben unsere eigenen Versionen vom Fischen gehen zurück in Galiläa. Aber es muss überhaupt keine Zeit kosten, denn das Geschenk ist schon da. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Joe Debono

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