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Berufung - ein willkÜrkonzept?

Priesterberufung

Mit vielen anderen in der Kirche, finden Basisgemeinden die Rede von „Berufungen“ durch Gott zum exklusiv männlichen Priesteramt sehr bedenklich. Es wird damit auch indirekt gesagt, dass Gott die Engführung der Zulassungskriterien der Kirche billigt. Wenn die Kirchenleitung weiterhin die Zulassung zum Priesteramt so eng auslegt, finden wir es angemessen, wenn sie wenigstens eine andere Sprache statt „Berufung“ wählt.

Auch Oliver Wintzek reflektiert den Begriff theologisch kritisch. Es ist unstrittig, dass eine gläubige Lebensinterpretation und Lebensperspektive immer nur die Leistung des Subjektes ist, das sich hoffend auf Gott bezieht und dies als dialogisches Geschehen ausdeutet. So gewiss sich das auch darstellen mag, so sehr ist doch darauf zu insistieren, dass dabei die grundlegende Fraglichkeit Gottes nicht vergessen werden darf. Gewiss mag die gläubige Bezugnahme auf Gott sein, ungewiss bleibt die Realität Gottes. Um diese Unterscheidung zu wissen und sie aufrecht zu erhalten, ist ein Gebot der Selbstaufklärung und der theologischen Redlichkeit. Es geht nicht an, diese subjektiv vermittelte Gewissheit mit dem Etikett göttlicher Unfehlbarkeit zu versehen.

Genau dies ist allerding die lauernde Gefahr, wo Berufungserlebnisse legitimationstheoretisch stark gemacht werden, wo etwa die behauptete Berufung zum Priestertum als göttlich abgesicherter Entscheid für das Leben irritationsresistent gültig sein soll. Oliver Wintzek sieht hier eine lauernde Gefahr in der gängigen Berufungspastoral, die einer solchen pseudoobjektiven Gewissheit Vorschub leistet. Sie leitet an, den Willen Gottes für das Leben finden zu sollen, der sodann seine subjektive Interpretationsleistung im Ergebnis vergessen lässt und sich als göttlich legitimiert verstehen will.

Die Benediktinerin Sr. Philippa Rath aus Eibingen hat ein bemerkenswertes Buch herausgebracht. Es trägt den Titel „Weil Gott es so will“ (Herder 2021). Darin kommen mehrheitlich Frauen zu Wort, die von ihrer Berufung zum Priesteramt erzählen.

Dabei muss dies gar nicht nur systemstützend die exklusive Priesterberufung meinen, sondern kann auch geradezu ein revoltierendes Potential entfalten, wo es sich um Glaubens- und Lebenszeugnisse von Frauen handelt. Diese bringen ihre vermeintlich objektiv gesicherten Berufungserfahrungen gegen eine patriarchalisch eingegrenzte Berufungskontrolle in Stellung. Die beeindruckende und bewegende Zusammenstellung revoltierender Wortmeldungen von Frauen hinsichtlich ihrer priesterlichen Berufungen unter dem Titel „Weil Gott es so will“ ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass die auf Männer zugeschnittene Berufungspastoral gewissermaßen die Geister nicht loswird, die sie gerufen hat.

Hat man einmal die subjektive Seite aus Letztinstanz göttlicher Berufung stark gemacht, darf man sich nicht wundern, wenn dies nun universalisiert wird und auch durch den kläglichen Einspruch, Frauen könnten nicht von Gott zum Priestertum berufen werden, nicht mehr verhindert werden kann. Gleichwohl ist damit das theologische Problem des zugrunde gelegten Berufungskonzeptes mitnichten behoben. Es bleibt dabei, dass es als autosuggestiv und unkontrollierbar dechiffriert werden muss. Mehr dazu in:

Berufung – Plädoyer gegen ein Willkürkonzept - feinschwarz.net

Das eigentliche Sakrament der Berufung ist die Taufe

Es verwundert auch nicht, dass das Dekret über die Ausbildung der Priester "Optatam totius" nur zwei Mal von "Berufung" spricht. Beides Mal wird nicht auf eine spezielle Berufung zum Priestertum abgehoben, sondern auf jene Berufung, die alle Gläubige kraft ihrer Taufe besitzen. Die "hohe Berufung des Menschen" wird schließlich zum Hauptthema in der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes". Der Mensch ist daher auch der Angelpunkt der Pastoralkonstitution, die in ihrer Nummer 19 ausdrücklich festhält: "Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott."

Wenn sich schon die Väter auf dem Zweiten Vaticanum verweigern, in der Diskussion um das Schema der Ausbildung der Priester den Begriff der Berufung zu definieren, dann zeigt das: Berufung ist ein schwer fassbares Ereignis. Und: Berufung ist auch ein überhöhtes Phänomen. Der Dogmatikprofessor »Oliver Wintzek hat Berufung jüngst als ein "Willkürkonzept" bezeichnet. Das Problem, so Wintzek, liegt darin, dass Berufungen immer sehr subjektiv sind und durch keinerlei Objektivität einholbar.

Mit anderen Worten: In letzter Konsequenz gibt es keine objektiven Kriterien, mit denen eine Berufung geprüft werden kann, auch, wenn das manchmal vorgegeben wird. Wintzek hält fest: "Ein subjektives Berufungsbewusstsein kann selbst nicht dergestalt kontrolliert werden, ob ihm ein realer göttlicher Grund entspricht. Nimmt man es dennoch für bare Münze, verböte sich zudem eine äußere Kontrolle durch Dritte. Diese wäre letztlich anmaßend und verginge sich an der Berufungshoheit Gottes." Doch dass es gerade diese Überprüfung durch Dritte, speziell den Bischof braucht, hat schon Kardinal Ruffini in der Vorbereitungskommission des Konzils festgestellt: Wenn es sie nicht gäbe, müsste der Bischof jedem die Hände auflegen, der meint, eine göttliche Berufung zu besitzen.

Zudem ist der Berufungsbegriff belastet und vor allem dann, wenn er einseitig und einschränkend für jene Ämter benutzt wird, für die der Empfang des sakramentalen Ordo fundamental ist. Es gilt zunächst den Berufungsbegriff in seiner vollen Weite wiederzuentdecken; das hat das Konzil bereits getan, wenn es von der "hohen Berufung" des Menschen spricht. Und es gilt neu zu bedenken, ob es zwischen dem subjektiven Empfinden einer göttlichen Berufung und deren Überprüfung durch objektive Kriterien nicht einen dritten Raum gibt, der beides auf überraschende Weise verknüpft.

Schließlich ist gerade hinsichtlich des Priesteramts auch ein funktionalistischeres Verständnis nicht sofort von der Hand zu weisen. Vielleicht ist gerade im Blick auf den Priestermangel das Konzept der Berufung neu auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu fragen, inwiefern das Vorhandensein einer möglichen göttlichen Berufung/Begabung zum Zeitpunkt der Zulassung zur Weihe wirklich das entscheidende Kriterium ist.

Bernhard Körner mahnt, den Berufungsbegriff nicht ausschließlich als "Aussagen des subjektiven Bewusstseins der Berufenen zu sehen" und auch die theologische Perspektive einer Berufung nicht zu vernachlässigen. Doch am Ende bleibt die Frage offen, inwiefern eine solche göttliche Berufung objektiv beurteilt werden kann. Auch hier gilt es, manches auf den Prüfstand zu stellen und weiterhin kritisch zu diskutieren.

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