Basisgemeinden Österreich

große skepsis gegen "selbstsichere priesterberufungen"

Priesterberufung

Viele Gemeinden können sehr gut mit Priestern zusammenarbeiten, die ihre "Priesterberufung" nicht zu jeder Gelegenheit vor sich hertragen. Wir haben einen Beitrag von Prof. Paul M. Zulehner gefunden, wo er auch die Gruppe der "Selbstsicheren" unter die Lupe nimmt.

"Dann aber gab es eine Gruppe, die mir bis heute zu schaffen macht. Es sind jene, die ihrer Berufung ganz sicher waren, und diese gleichsam vor sich hertrugen. Noch gar nicht ordiniert, haben sie – ich erzähle aus meiner Zeit in der Leitung des Wiener Priesterseminars – sich wie „Minipriester“ benommen, in der Kleidung (Soutane, Priesterkragen), mit dem Stundengebet. Nicht wenige von diesen, die auf einem solchen „Berufungsweg“ geweiht worden sind, haben später ihr Priesteramt ziemlich klerikal ausgeübt.

Weil doch Gott sie berufen hat, haben sie nicht auf die anderen zu hören, sondern sie sind gleichsam das den Leuten zugewandte Gesicht des berufenden Gottes. Sie fühlten sich dank Ihrer Berufung den einfachen Leuten im Kirchenvolk haushoch überlegen. Diese Art der „Berufung“ gibt es auch unter Bischofskandidaten, die bei der Weihe auf die Frage „Bist du bereit?“ insgeheim sagen: „Schon lange!“

Ich habe gelernt, dass jene die besten Bischöfe wurden, die es nicht werden wollten. Erzbischof Franz Jachym hat beim ersten Weiheversuch noch während der Weiheliturgie den Stephansdom verlassen – Kurt Krenn musste hingegen über liegende Demonstrant*innen in den Dom schreiten. In mir ist angesichts solcher vielfältigen Erfahrungen eine spirituelle Skepsis gegen selbstsichere Priesterberufungen erwachsen."

Weiter zum vollen Beitrag: »Zum Priester berufen | Paul M. Zulehner

Mit vielen anderen in der Kirche, finden Basisgemeinden die Rede von „Berufungen“ durch Gott zum exklusiv männlichen Priesteramt sehr bedenklich. Es wird damit auch indirekt gesagt, dass Gott die Engführung der Zulassungskriterien der Kirche billigt. Wenn die Kirchenleitung weiterhin die Zulassung zum Priesteramt so eng auslegt, finden wir es angemessen, wenn sie wenigstens eine andere Sprache statt „Berufung“ wählt. 

Das eigentliche Sakrament der Berufung ist die Taufe

Es verwundert auch nicht, dass das Dekret über die Ausbildung der Priester "Optatam totius" nur zwei Mal von "Berufung" spricht. Beides Mal wird nicht auf eine spezielle Berufung zum Priestertum abgehoben, sondern auf jene Berufung, die alle Gläubige kraft ihrer Taufe besitzen. Die "hohe Berufung des Menschen" wird schließlich zum Hauptthema in der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes". Der Mensch ist daher auch der Angelpunkt der Pastoralkonstitution, die in ihrer Nummer 19 ausdrücklich festhält: "Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott."

Wenn sich schon die Väter auf dem Zweiten Vaticanum verweigern, in der Diskussion um das Schema der Ausbildung der Priester den Begriff der Berufung zu definieren, dann zeigt das: Berufung ist ein schwer fassbares Ereignis. Und: Berufung ist auch ein überhöhtes Phänomen. Der Dogmatikprofessor »Oliver Wintzek hat Berufung jüngst als ein "Willkürkonzept" bezeichnet. Das Problem, so Wintzek, liegt darin, dass Berufungen immer sehr subjektiv sind und durch keinerlei Objektivität einholbar.

Mit anderen Worten: In letzter Konsequenz gibt es keine objektiven Kriterien, mit denen eine Berufung geprüft werden kann, auch, wenn das manchmal vorgegeben wird. Wintzek hält fest: "Ein subjektives Berufungsbewusstsein kann selbst nicht dergestalt kontrolliert werden, ob ihm ein realer göttlicher Grund entspricht. Nimmt man es dennoch für bare Münze, verböte sich zudem eine äußere Kontrolle durch Dritte. Diese wäre letztlich anmaßend und verginge sich an der Berufungshoheit Gottes." Doch dass es gerade diese Überprüfung durch Dritte, speziell den Bischof braucht, hat schon Kardinal Ruffini in der Vorbereitungskommission des Konzils festgestellt: Wenn es sie nicht gäbe, müsste der Bischof jedem die Hände auflegen, der meint, eine göttliche Berufung zu besitzen.

Zudem ist der Berufungsbegriff belastet und vor allem dann, wenn er einseitig und einschränkend für jene Ämter benutzt wird, für die der Empfang des sakramentalen Ordo fundamental ist. Es gilt zunächst den Berufungsbegriff in seiner vollen Weite wiederzuentdecken; das hat das Konzil bereits getan, wenn es von der "hohen Berufung" des Menschen spricht. Und es gilt neu zu bedenken, ob es zwischen dem subjektiven Empfinden einer göttlichen Berufung und deren Überprüfung durch objektive Kriterien nicht einen dritten Raum gibt, der beides auf überraschende Weise verknüpft.

Schließlich ist gerade hinsichtlich des Priesteramts auch ein funktionalistischeres Verständnis nicht sofort von der Hand zu weisen. Vielleicht ist gerade im Blick auf den Priestermangel das Konzept der Berufung neu auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu fragen, inwiefern das Vorhandensein einer möglichen göttlichen Berufung/Begabung zum Zeitpunkt der Zulassung zur Weihe wirklich das entscheidende Kriterium ist.

Bernhard Körner mahnt, den Berufungsbegriff nicht ausschließlich als "Aussagen des subjektiven Bewusstseins der Berufenen zu sehen" und auch die theologische Perspektive einer Berufung nicht zu vernachlässigen. Doch am Ende bleibt die Frage offen, inwiefern eine solche göttliche Berufung objektiv beurteilt werden kann. Auch hier gilt es, manches auf den Prüfstand zu stellen und weiterhin kritisch zu diskutieren.

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